Liebenauer Hauptstraße 91

Aus Baugeschichte
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Österreich » Steiermark » Graz » 8041

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47° 2' 21", 15° 27' 38"


"Villa Liebenau"

Das vielen Liebenauern noch als Post erinnerliche Gebäude hieß einstmals „Villa Liebenau“ und war das Herrenhaus der Familie Plankensteiner. Dieses zweigeschossige, elfachsige Gebäude wurde lt. DEHIO um 1835/1840 erbaut; nach der Familienchronik kam der Bau jedoch erst nach der Mitte des 19. Jh. in den Besitz der Familie. Durch intensive Recherchen im Landesarchiv konnte die Frage des Bauherrn im Oktober 2017 geklärt werden: Ein Franz Augmayer verkaufte Ende 1843 seine "behauste" Liegenschaft an Anton Breger, Verwalter, Bezirkskommissär und Ortsrichter in Liebenau. Dieser erbaute 1844 das stattliche Gebäude, das er "Bregerhof" nannte und befand es als "zum Betriebe eines Caffee- und Wirthshausgewerbes geeignet". Der repräsentative Bau - er hatte damals die Haus-Nummer 60 - ist im Grundbuch auch gut beschrieben; so verfügte er im Erdgeschoss über sieben "eingetippelte und stokaderte" Zimmer. Insgesamt dürfte Breger für Ankauf und Bau 10.000 Gulden Schulden angehäft haben. Auch Alexander von Kottowitz, der damalige Besitzer von Schloss und Herrschaft Liebenau, taucht 1845 in einer Grundbuchanmerkung auf.

Die bei Lang falsch zitierte Bragerhof ist also in Wirklichkeit identisch mit der "Villa Liebenau". Im Gebäude war in der zweiten Hälfte des 19. Jh. ein sehr gut besuchtes, vornehmes Etablissement untergebracht, in dem Bälle stattfanden und alle vierzehn Tage „Freimusik gegeben wurde“ (siehe Annonce). Nach einem Zwischenbesitz des Gottfried Fabian erkaufte Arnold Plankensteiner das Anwesen von diesem im Juni 1858 um 12.000 Gulden. Die spätbiedermeierliche Fassade zur Straße weist ein Frontispiz (Dreiecksgiebel) und ein schmiedeeisernes Balkongitter mit einem Blumenmotiv mit den Initialen "AP" auf, das auf den neuen Besitzer hinweist. Arnold Plankensteiner, Landwirt und Politiker (geboren in St. Veit i. d. Gegend 1824, gestorben in Liebenau 1878), studierte an der Universität Graz Jus und bewirtschaftete dann bis 1856 den ererbten Gutsbesitz Pichlschloß bei Neumarkt. 1856 errichtete er in Liebenau einen landwirtschaftlichen Musterbetrieb und versorgte u. a. die Stadt Graz mit Milch. Er war auch Landtags- und Reichsratsabgeordneter. Nach dem Scheitern der landwirtschaftlichen Unternehmungen von Plankensteiner wird 1892 hier die Dampfbäckerei "Lochs & Fischer" genannt, die erst 1931 Konkurs anmelden musste. Aber noch 1938 betrieb die Steiermärkische Sparkasse hier eine Brotfabrik. An der gleichen Adresse wird seit den 1920er Jahren auch die Konservenfabrik J. Sekyra und Sohn genannt, die noch gegen 1950 rund 40 Arbeiter beschäftigte. Bis Ende der 1950er Jahre war dann im Hauptgebäude die Liebenauer Post untergebracht. Das Steiermärkische Landesarchiv besitzt ein Bild von der Villa Liebenau, deren Aussehen sich bis heute kaum geändert hat.

(Nach: Grundbuch Liebenau; Lang, Liebenau; DEHIO 1979; Bezirksbroschüre; Biograph. Lexikon)



Kommentare

Das schöne und geschichtsträchtige Gebäude ist wohl der eindruckvollste Bau des Spät-Biedermeier in Liebenau. Es stánd nicht unter Denkmalschutz und liegt außerhalb der Altstadt-Schutzzone IV "Liebenau". Da es mit dem Wohn- und Wirtschaftsgebäude auf Nr. 87 ein seltenes Ensemble bildet, sollte seine Erhaltung durch eine Ausweitung der Schutzzone gesichert werden..

Der schöne Bau wurde 2017 vom Bundesdenkmalamt unter Denkmalschutz gestellt! Wir freuen uns.

Laukhardt (Diskussion) 22:03, 19. Okt. 2017 (CEST)

Einzelnachweise