Reininghausstraße 1 - 7

Aus Baugeschichte
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Österreich » Steiermark » Graz » 8020

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47° 3' 58", 15° 24' 37"


Ehemalige Brauerei Reininghaus

Johann Seyfried, Herzog zu Krumau und Fürst zu Eggenberg erteilte dem damaligen Wirt Lorenz Schaupp 1669 die Erlaubnis, auf dem schottrigen Boden des Steinfeldes eine Brauerei einzurichten und Bier auszuschenken. Die "Weintaz-Karte" von ca. 1735 verzeichnet hier noch das "Schauppische Schenkh Hauß, so von Eggenberg dye täz nit gebührent abgenomben wird". Östlich auf der anderen Seite der "Landtstrassen" (heute: Alte Poststraße) zeigt diese Karte das "Mathhäußl", später "Mauthaus am Steinfeld" genannt. Nach 1750 hören wir hier von einem Bräuhaus des Anton Möstl.

Bei dem Areal zwischen Reininghausstraße - Alte Poststraße - Brauhausstraße und Wetzelsdorfer Straße handelt es sich um ein altes Gewerbegebiet. Als die Brüder Reininghaus 1853 das Mauthaus am Steinfeld für 99.000 Gulden kauften, war es noch ein unbedeutender Kleinbetrieb. Es wuchs in der Zeit der industriellen Revolution zu einem riesigen Unternehmen heran. 1943 erfolgte die Zwangsfusionierung mit der Brauerei Puntigam in der Triester Straße 357, der Standort in Eggenberg wurde 1947 stillgelegt. Heute ist er ein bemerkenswertes Industriedenkmal (Bauensemble), das bis vor einigen Jahren noch verschiedenen betrieblichen Zwecken diente. Der straßenseitige Haupttrakt mit dem Bräustüberl ist sehr repräsentativ (Kodolitsch-Widtmann, Das andere Graz). Unter Denkmalschutz stehen folgende Objekte: die Villa Keil, das Brunnenhaus, die Malztenne und der Silospeicher.

Der (nach der Angabe im DEHIO Graz) verbliebene Rest des ehemaligen Filialklosters der Dominikaner, der spätere „Mischanhof“, als stattliche hakenförmige Anlage 1788 erbaut, war allerdings nicht am Südende des Komplexes gegenüber der Einmündung der Kratkystraße) gelegen; die Anlage hieß in Wirklichkeit "Waltnerhof" und später "Ranzmayerhof"; sie wurde schon 2005 mitsamt dem Korbbogen-Steintor und der Datierung 1790 abgebrochen, siehe Alte Poststraße 196. Der wirkliche Mischanhof dürfte sich zwischen der Eggenberger Allee und der Eckertstraße oder nördlich davon befunden haben, siehe Alte Poststraße 148.

Erhaltenswerte Elementen ("technische Denkmäler") sind neben den denkmalgeschützten Objekten: der kleine Mälzereiturm mit sechs Geschossen, das solitäre Bürohaus von 1915, das gegenüber liegende alte Maschinenhaus, die hölzerne Konstruktion der großen Fasshalle, andere gewerbliche Gebäude oder Bauteile bis zu den 10 m tiefen Kellern, Reste von Schienensträngen, Eisentreppen, Industrie-Glasbausteine u. a.. Naturräumliche Besonderheiten sind: der Park der Villa Keil und die Teiche mit ihrem Baumbestand (Kastanien, Trauerweiden, Schwarzpappeln).


Laukhardt 14:36, 26. Apr. 2012 (CEST)



Kommentare

Das Ensemble der ehemaligen Brauerei am Steinfeld ist mit seinen erhalten gebliebenen Bauten und naturräumlichen Elementen ein einzigartiges Industriedenkmal, von dem nur ein Teil denkmalgeschützt ist. Die geplante Entwicklung des Areals zu einer neuen "Weststadt" müsste auf diese Tatsache Rücksicht nehmen und Neubauten sensibel integrieren. Der Vertreter der Investoren hat das in einer öffentlichen Aussage verstärkt. Der vorliegende Rahmenplan zeigt allerdings so gut wie keine derartigen Ansätze. Die Ausweisung des größten Teiles des ehemaligen eigentlichen Reininghaus-Areals im Flächenwidmungsplan als "EO-Gebiet" (erhaltensswertes Ortsgebiet) wurde von SOKO Altstadt durch eine Einwendung zum STEK eingefordert.
Laukhardt 11:49, 27. Okt. 2012 (CEST)

Umso überraschender war dann eine Aussage des Immobilienentwicklers Wolfgang Erber, der bei einer Bürgerversammlung erklärte, er wolle bei der Errichtung von rund 1.400 Mietwohnungen den künftigen Bewohnern ein Umfeld bieten, in dem sie sich wohlfühlen. „... Diese Quartiere eignen sich hervorragend zur Umgestaltung vom historischen Industrieareal zu einem modernen Stadtteil, der aber aus Respekt gegenüber der Bedeutung der ehemaligen Braudynastie Reininghaus, die Sicherung und Erhaltung historisch wertvoller Bestandsgebäude beinhalten wird." (Werbeaussage).

Und tatsächlich zeigt der Entwicklungsplan des beauftragten Architektenbüros Pucher, dass auch drei weitere erhaltenswerte Bauten bestehen bleiben werden: Das Verwaltungsgebäude mit dem Eingangsportal, das Direktionshaus mit Lobby und Galerie und die offene Holzhalle, in der sich Erber und Pucher eine Markthalle vorstellen.

Laukhardt (Diskussion) 12:39, 15. Feb. 2015 (CET)

Fassungslosigkeit machte sich breit, als der "Alt-Reininghaus" betreffende Bebauungsplan am 9.4.2015 veröffentlicht wurde. Man musste daraus den Eindruck gewinnen, dass die genannten drei Objekte nicht erhalten werden würden. Letztlich zeigten aber Gespräche mit dem Investor, ein Lokalaugenschein und der Einblick in die Projektunterlagen ganz klar, dass es weiterhin der Wille der Erber-Gruppe ist, den "genius loci" von Alt-Reininghaus zu erhalten. Nun ist zu hoffen, dass die Stadtplanung das auch im Bebauungsplan eindeutig dokumentieren kann. Laukhardt (Diskussion) 20:12, 17. Apr. 2015 (CEST)

Ende 2015 haben die Abbrucharbeiten in "Alt-Reininghaus" begonnen und sind inzwischen weitgehend abgeschlossen worden. Und Investor Erber hat sein Wort gehalten: das Verwaltungsgebäude mit dem Eingangsportal, das Direktionshaus mit Lobby und Galerie und die offene Holzhalle sind ebenso stehen geblieben wie die denkmalgeschützen Objekte. Wir freuen uns, hier mitgeholfen zu haben, den "Genius loci" zu erhalten!

Laukhardt (Diskussion) 10:32, 4. Feb. 2016 (CET)

Einzelnachweise