Hauptplatz 13 (Sitzendorf an der Schmida)

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48° 35' 51.83" N, 15° 56' 29.96" E


gotischer Profanbau

Bei diesem Gebäude handelt es sich um einen der wenigen in Österreich erhalten gebliebenen gotischen Profanbauten und gilt heute als Wahrzeichen des Ortes.

Das Gebäude wurde im ersten Viertel des 15. Jahrhunderts erbaut (im „Dehio“ ist auf Seite 1095 das Jahr 1520 als Baujahr angegeben) und diente zumindest von 1450, als es erstmals als solches erwähnt wurde, bis 1615 als Kranken- und Waisenhaus.

Anfang des 17. Jahrhunderts war das abseits gelegene Schulhaus zu klein geworden und die Besitzerin des gotischen Hauses, Katharina Freifrau von der Goltz, tauschte dieses im Jahre 1615 gegen das alte Schulhaus. Laut Schulchronik enthält die Urkunde die Bestimmung, dass zusätzlich zur Schulstube auch eine Wohnung für den Schulmeister eingerichtet werden solle.

Nach Einführung der sechs Jahre dauernden Unterrichtspflicht durch Maria Theresia im Jahre 1774 war auch dieses Schulhaus zu klein geworden und die Schule übersiedelte im Jahre 1795 in das adaptierte Haus Hauptplatz 2. Von diesem Zeitpunkt an diente das Haus Hauptplatz 13 zunächst als Rathaus, dann als Gemischtwarenhandlung, stand einige Jahre leer bis es Anfang des 21. Jahrhunderts von neuen Besitzern erworben und revitalisiert wurde.

Bereits im 16. Jahrhundert kam es zu mehrfachen baulichen Veränderungen des Gebäudes, das auf einem gegenüber der heutigen Straße abgesenkten Niveau steht. Tatsächlich kam es zu dieser Situation dadurch, dass zur Zeit, als es noch keine befestigten Straßen und Kanäle gab, bei Unwettern große Mengen angeschwemmten Materials hier abgelagert wurden. Dadurch erhöhte sich das Strassenniveau kontinuierlich und liegt heute höher ist als zu Beginn des 15. Jahrhunderts.

Dominierender Gebäudebestandteil ist ein mächtiger einachsiger Erker auf gedrungenem Stützpfeiler aus der Bauzeit. In diesem Erker, der durch ein Kreuzgratgewölbe abgeschlossen wird, befand sich zur Zeit, als das Gebäude als Kranken- und Waisenhaus genutzt wurde, die Kapelle. Der Stützpfeiler hat einen abgetreppten, gewulsteten Kämpfer mit Kopfkonsole und reliefiertem Weinlaubfries. Der Erkerkorb ist durch spitzbogige Blendarkaden mit Maßwerknasen gegliedert. In den Maßwerknasen befinden sich Rosetten und Tierdarstellungen. Das Fenster stammt aus dem Anfang des 16. Jahrhunderts. Es hat ein reliefiertes Gewände samt Sohlbank und reliefierter gerader Verdachung.

Links neben dem Erker befindet sich im Erdgeschoss (heute Keller) ein vermauertes profiliertes Rundbogenportal aus dem Anfang des 16. Jahrhunderts. An der anderen Seite des Erkers ist ein Rechteckportal aus dem Ende des 16. Jahrhunderts. Das Obergeschoss (heute Erdgeschoss) wird durch ein rechts gelegenes Rechteckportal mit vorgelagerter Steintreppe erschlossen. Zwischen diesem Portal und dem Erker befinden sich Reste eines gotischen Fenstergewändes und Reste von spätgotischen Dreipaßblendarkaden mit floralem Fries. Die Fenster zu beiden Seiten des Erkers mit Sohlbank und reliefierter gerader Verdachung sind aus dem späten 16. Jahrhundert.

Links an der Fassade ist ein seitlicher Strebepfeiler. Darüber befindet sich das Relief einer liegenden Figur, der das Haus seine Bezeichnung „Haus des liegenden Mannes“ in der Bevölkerung verdankt und die im Zusammenhang mit der einstigen Verwendung des Gebäudes als Spital stehen dürfte.

Über die gesamte Front des Gebäudes verläuft ein Kaffgesims mit Rosettenfries. Das Haus wird von einem Satteldach abgeschlossen. Im Garten befinden sich Reste eines Armenhauses, dessen größter Teil auf dem Areal des Nachbargrundstückes situiert war. Das Gebäude steht gemäß Bescheid des Bundesdenkmalamtes unter Denkmalschutz und diente zumindest von 1450, als es erstmals als solches erwähnt wurde, bis 1615 als Kranken- und Waisenhaus.


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